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Europäischer Arten- und Gebietsschutz

Einzelartenschutz

Die Beachtung des in den §§ 44 und 45 BNatSchG geregelten Artenschutzrechtes ist eine zwingende Voraussetzungen für die naturschutzrechtliche Zulassung von Straßenbauvorhaben und unabhängig von der Eingriffsregelung abzuhandeln.

Eine spezielle artenschutzrechliche Prüfung ist für alle europäischen Vogelarten Artikel 1 der Vogelschutzrichtlinie (79/409EWG) für alle Arten des AnhangsIV der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (92/43/EWG) und für Arten nationaler Verantwortung (§54 Abs.1 Nr.2 BNatSchG) durchzuführen.

Als Beispielarten seinen Fischotter, Fledermaus uns Amphibienarten genannt. 

 

Auswirkungen von Straßenbauvorhaben auf national besonders geschützte Arten sind in der Eingriffsregelung (§§14 und 15 BNatSchG) beachtet.

Bundesstraße B 98, Ortsumgehung Bischofswerda

Artenschutzmaßnahme zur Vermeidung der Zerschneidung von Lebesraumverflechtungen

Abbildung einer Brücke über die Bundestraße B 98

Haselmausbrücke
(© LASuV)

Zum Schutz des Lebensraumes der im Bereich des Hungerwaldes vorkommenden geschützten Haselmaus wurde ein in seiner Art einzigartiges Bauwerk als artgerechte Querungshilfe ausgebildet, welche gleichzeitig als Fußgängerquerung alte Wegebeziehungen in diesem Bereich erhält. Die Haselmaus ist eine streng baumgebunden lebende Tierart, die sich bevorzugt im Kronenbereich von Gehölzen bewegt und offene Bodenstellen meidet. Straßen ohne Kronenschluss stellen deshalb eine Barriere für die Haselmaus dar.

 

Zwischen den beidseitig der Straße stehenden Bäumen und Sträuchern des Hungerwaldes wurde eine teilüberdachte Stahlträger-Holz-Konstruktion errichtet. In dieser Konstruktion sind Korridore und ein Gründach mit Tothölzern installiert, die als Kletterhilfe für die Haselmaus dienen. Diese sind nach oben mit einer Netzkonstruktion zum Schutz der Haselmaus vor potentiellen Räubern und nach unten mit einem Blendschutz versehen. Der Zugang zu den Korridoren erfolgt über Totholzstämme und den bestehenden Baumbestande in diesem Bereich.

 

NATURA 2000-Gebietsschutz

Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) verpflichtet die EU-Mitgliedsstaaten, zur Erhaltung der biologischen Vielfalt ein kohärentes europäisches ökologisches Netz „NATURA 2000“ besonderer Schutzgebiete zu errichten, zu erhalten und zu entwickeln. In dieses Netz integriert sind neben den Gebieten von gemeinschaftlicher Bedeutung nach der FFH-Richtlinie auch die Vogelschutzgebiete nach der Vogelschutzrichtlinie (VSchRL). Ziel ist es, den Fortbestand bzw. die Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes der Lebensräume und wildlebenden Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse (Anhänge I und II der FFH-RL) zu gewährleisten.

In Sachsen gibt es 77 Vogelschutzgebiete und 270 FFH-Gebiete mit einer Gesamtfläche von 292.777 ha. Diese entsprechen 15,9 Prozent der Landesfläche.

Für Straßenbauvorhaben können sich Zulassungshürden aus einer erheblichen Betroffenheit dieser Schutzgebiete in ihren für die Erhaltungsziele und den Schutzzweck maßgeblichen Bestandteilen ergeben. Ob und wie NATURA 2000-Gebiete von einem Straßenbauvorhaben betroffen sind, ist in jedem Fall durch eine FFH-Verträglichkeitsprüfung gemäß §§ 34 ff BNatSchG bzw. §§ 22b ff
SächsNatSchG zu klären.

Bundesautobahn A 17, Abschnitt B 170 bis Pirna

Pflegemanagement im FFH-Gebiet "Meuschaer Höhe"

Blick von der Meuschaer Höhe auf die Bundesautobahn A 17

Bundesautobahn A 17, Meuschaer Höhe
(© LASuV)

Das Schutzgebiet von europaweiter Bedeutung liegt in einem strukturreichen Gelände und zeichnet sich durch Offenland und naturnahe, teilweise von Felsen durchragte Waldflächen in Steillagen und Kerbtälern aus. Charakteristisch für die Offenlandbereiche sind trockenes Grasland und Streuobstwiesen. Die Bedeutung des Gebietes begründet sich insbesondere auf dem Vorkommen sehr gut ausgebildeter Halbtrockenrasen, magerer Frischwiesen und gut ausgeprägter, z. T. trockenwarmer Beständen des Eichen-Hainbuchenwaldes. Die artenreiche Pflanzenwelt beherbergt zahlreiche stark gefährdete und für den Naturraum seltene Arten.

 

Gegenstand der landschaftspflegerischen Maßnahmen waren daher zunächst Ergänzungspflanzungen in den Streuobstwiesen als Ausgleich für zu entnehmende Altbäume, das Beseitigen von Gehölzaufwuchs und das stellenweise Aufreißen der Bodenoberfläche, um auf den dadurch entstandenen Rohbodenstandorten Lebensräume für konkurrenzschwache Arten zu schaffen. Von Beginn an ist außerdem die extensive Pflege der Grünlandkomplexe von Bedeutung. Durch die Beweidung mit Schafen und Ziegen in Form der Hütehaltung bzw. eine ein- bis zweischürige Mahd mit Nachbeweidung wird der Bestand der wertvollen Kalk-Trockenrasen, Flachland-Mähwiesen, Steppen-Trockenrasen gesichert. Gebüsche dürfen nur in ausgewählten Bereichen wachsen.

Wildwiese und Streuost auf der Meuschaer Höhe

Meuschaer Höhe
(© LASuV)

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